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Was sich verändert hat - das erste Jahr mit Schulbetrieb


Wir sind zurück von unserer Projektreise und nach wie vor bewegt von den zahlreichen Eindrücken, sodass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen zu berichten. Da wir aufgrund der Corona-Pandemie das letzte Mal im Sommer 2019 vor Ort sein konnten, war die Vorfreude auf ein Wiedersehen dieses Mal besonders groß - zumal sich in den letzten beiden Jahren viel in Chabalisa verändert hat. Da es für uns auch die erste Projektreise nach der offiziellen Schuleröffnung im Januar 2021 war, konnten wir nun endlich vor Ort miterleben, welche Chance dieses Projekt den Kindern bietet, die in Chabalisa leben und zur Schule gehen.



Rückblick: Projektjahr 2019 und 2020

Starten wir zunächst mit einem kurzen Rückblick, um euch zunächst alle abzuholen: Als wir im Sommer 2019 vor Ort waren, lebten in Chabalisa bereits sieben Kinder. Die Ordensschwestern entschieden sich damals dafür, mit einer überschaubaren Anzahl an Kindern zu starten, um sich langsam mit ihrer neuen Aufgabe vertraut zu machen. Diese Entscheidung trafen die Schwestern auch unter dem Aspekt, dass die Schule zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausgestattet war und noch nicht alle notwendigen Genehmigungen für eine Inbetriebnahme vorlagen. Das Zentrum befand sich zu diesem Zeitpunkt also noch in einer Art Eingewöhnungsphase. Da wir unsere Zeit in Chabalisa zuvor ausschließlich mit Bauarbeiten verbrachten, um die notwendige Infrastruktur für das Zentrum zu schaffen und auf dem Gelände nur wenige Schwestern lebten, stellte die Projektreise im Sommer 2019 bereits einen Höhepunkt dar. Wir konnten die ersten Kinder persönlich kennenlernen und es war toll zu sehen, dass das Zentrum nun schrittweise wuchs und mit Leben erfüllt war. Zudem nutzen wir diese Projektreise dafür, um eine Bauabnahme des von Move-ING finanzierten Schulgebäudes vorzunehmen und führten weitere Arbeiten an der Wasseraufbereitungsanlage für das Wohnhaus aus. Dass dies erst einmal die letzte Projektreise für lange Zeit sein wird, konnten wir damals noch nicht ahnen. Auch wenn wir 2020 pandemiebedingt nicht vor Ort sein konnten, hat sich auch in dieser Zeit viel in Chabalisa getan: Gemeinsam mit den Ordensschwestern konnten wir neue Teilprojekte planen und mit der Unterstützung eines lokalen Bauingenieurs auch zeitnah realisieren. So entstanden im Jahr 2020 behindertengerechte Schultoiletten und das gesamte zuvor unwegsame Gelände rund um die Schule wurde umgegraben, um große ebene Flächen zu schaffen, die als Schulhof für Spiel, Sport und weitere Veranstaltungen genutzt werden können. Für die Wasserversorgung der Schultoiletten wurde eine Regenwasserzisterne mit 50.000 Litern Fassungsvermögen gebaut, die das Regenwasser des Schuldachs sammelt und speichert. Von dieser Zisterne wird nun das Wasser mithilfe einer Solarpumpe in einen höher gelegenen Versorgungstank (1.000 l) gepumpt, welcher wiederum mit den Sanitäranlagen verbunden ist. Im Jahr 2020 konnte auch eine Abwasserkläranlage errichtet werden, die sowohl das Abwasser des Wohnhauses als auch der Schule fasst und reinigt. Das gereinigte Abwasser kann zur Bewässerung der umliegenden Felder, auf denen Früchte und Gemüse zur Selbstversorgung des Zentrums angebaut werden, genutzt werden.


Veränderungen im Jahr 2021

Während wir uns in Deutschland im Januar 2021 im Lockdown befanden, gab es in Chabalisa einen Grund zum Feiern, denn die Schule konnte offiziell ihren Betrieb aufnehmen. Darauf haben nicht nur wir, sondern vor allem auch die Ordensschwestern hingefiebert, schließlich war es einst ihr Wunsch eine Wohn- und Bildungsstätte für körperlich und geistig erkrankte Kinder zu schaffen. Die Schule wird als integrative Grundschule betrieben, in der Schüler von der 1. bis zur 7. Klasse unterrichtet werden können. Seitdem wird die Schule von 27 Kindern besucht, die sich auf eine erste Klasse, eine Vorschulklasse und eine Förderklasse aufteilen. In der Förderklasse werden ausschließlich die Kinder mit schweren geistigen Beeinträchtigungen betreut und gefördert, für die es unmöglich ist, dem offiziellen Lehrplan zu folgen. Da es unter den Schwestern aktuell genug ausgebildete Lehrkräfte gibt, werden alle Lehrstellen von ihnen selbst besetzt und es sind keine externen Lehrkräfte notwendig. Von den 27 Schülern wohnen 23 Kinder in Chabalisa, die anderen 4 Kinder stammen aus benachteiligten Familien aus der unmittelbaren Nachbarschaft und werden „nur“ von morgens bis nachmittags betreut. Wie ihr lesen konntet, ist im Jahr 2021 mit der offiziellen Schuleröffnung die Anzahl der Kinder, die in Chabalisa leben deutlich von 7 auf 23 gestiegen. Um diese Kinder kümmern sich aktuell insgesamt 8 Ordensschwestern (darunter die 5 Lehrerinnen), die gemeinsam mit den Kindern auf dem Gelände leben. In den nächsten Jahren wird die Schule jeweils um eine neue Klasse erweitert, sodass die Anzahl der Schüler in den nächsten Jahren stetig steigen wird. Im Januar 2022 beginnt bereits das zweite Schuljahr, sodass schon zeitnah mit einer neuen Kindergartengruppe zu rechnen ist. Parallel zu der steigenden Anzahl an Schülern bzw. Kindern, die in Chabalisa wohnen, steigt auch die Anzahl an Ordensschwestern, die sich in Chabalisa um die Kinder kümmern werden. Für die Aufnahme weiterer Kinder im Jahr 2022 besteht in den geschaffenen Wohnräumen noch genügend Platz. Auf Anfrage der Schwestern haben wir vor unserer Abreise 10 weitere notwendige Etagenbetten bei einem lokalen Schreiner in Auftrag gegeben.


So viel sei gesagt: Für uns war es eine große Freude endlich die Kinder kennenzulernen, für die wir seit 2017 unermüdlich ehrenamtlich im Einsatz sind. Wir haben lange darauf hingearbeitet einen Ort zu schaffen, an dem Kinder mit Behinderung nicht nur problemlos lernen können, sondern auch ein zweites Zuhause finden, in dem sie auf Akzeptanz stoßen. Während unseres Aufenthaltes konnten wir erleben, dass unter den Kindern eine große Solidarität herrscht- sie helfen und unterstützen sich gegenseitig. Da auch heute noch in der tansanischen Gesellschaft das Verständnis und die Akzeptanz für geistige und körperliche Behinderungen weitestgehend fehlen, wachsen zahlreiche Kinder mit Behinderung einsam und versteckt auf. Die Wohngemeinschaft in Chabalisa fördert somit auch das Selbstwertgefühl der Kinder und lässt zwischen Ihnen wahre Freundschaften entstehen. All das hat uns erneut darin bestärkt, unser ehrenamtliches Engagement für dieses Projekt fortzuführen.